Silvester - Schale
| gefertigt von Reinhold Ege Januar 2005 | gesponsort by MacEge's Bagpipes : http://www.macege.de und http://www.dudelsack-bagpipe.de |
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| Silvester 2004 Silvester : der Tag, an dem die Werkstatt aufgeräumt wird. Unter einem Stapel Holz finde ich eine Papiertüte. Darin einen Rohling für eine Schale : Zwetschge (Pflaume), mind. 5 Jahre gelagert. Dick eingewachst. Mit rissefreiem Splint - sehr selten bei Zwetschge. Am Kern Stirnholzrisse, weil das Zentrum des Stammes im Holz enthalten ist. Das geht nicht ohne Risse. Nach dem Motto : nichts aufheben, was man fünf Jahre nicht vermisst hat, fliegt das Holz in den Brennholzeimer. Es lässt mir keine Ruhe... |
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| Am Spätnachmittag, zwischen
Kaffee und Bekanntenbesuch, gehe ich nochmals in den
Keller, fische die Zwetschge heraus und spanne sie auf
ein Schraubenfutter. Unwucht wegdrehen, Boden glätten, Aussenform drechseln, die Schalenröhre schneidet wie sie noch nie geschnitten hat. "tickticktick" : Vorsicht Risse! Wechsel zum Schrägmeisel: Rezess für das Schalenspannfutter einstechen. Dann Schleifen mit 220er Leinen. Jetzt erst halte ich die Drehbank an und bin platt : diese Farben ! Von Hellgelb (splint) bis tief rot (Kern) mit violetten Abstufungen. Einmalig!
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| Die Schale ist ausgehöhlt,
glätten mit dem Rundschaber : zweimal, dreimal, dann den
Grat nachgezogen, nochmals drüber. Der Schaber schneidet
heute wie eine Röhre : 20 cm lange haarfeine Späne. Es
ist ein Wunder. Dann das Schleifen : 220er Leinen, anschliessend mit einer Handvoll Späne poliert. Zum zweitenmal stoppe ich die Bank : Und da ist die Schale : Perfekt in der Form. Nicht den geringsten Fehler. Keine kleinen Ausrisse oder rauhen Stellen, wie sie so oft beim Querholzdrechseln entstehen. Am Rand die alten Trockenrisse. Sollen sie bleiben, sie gehören dazu, akzentuieren die Form. Die Tochter kommt : "Papa, wir wollen jetzt gehen. Die Mama wartet..." Ich stecke die Schale in eine Gefriertüte, giesse einen Viertelliter Halbölfirniss dazu und verschliesse sie. Den ganzen Abend denke ich an die Schale und an eine Stunde perfektes Drechslerglück. Am anderen Morgen mein erster Gang zur Schale: Das meiste Öl ist aufgesaugt. Ich spann sie auf, lasse sie langsam laufen und poliere mit dem Handballen. Beim Frühstück steht die Schale auf dem Tisch. Schön. |
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