Dezember 2009
Liebe Pipers,
aus Tirol erreichte mich ein Brief von einem Piper, der verunsichert durch seine Band-Kameraden bei mir nachgefragt hat.
Lieber Herr Ege
ich möchte mich mit einer Frage an Sie wenden, die bei uns in der Band kontrovers diskutiert wird: Ich habe einen Bannatyne Hide-Zipper Bag (also außen Leder innen GoreTex). Er ist knapp 2 Jahre alt. Ich spiele die Pipe einmal die Woche bei der Bandprobe, dann bei ein paar Auftritten, leider viel zu selten zum Üben (Wohnhausanlage) - also wird der Sack nicht stark beansprucht.
Wenn ich die Stocks verkorke (Gummiplugs) und über die Blowpipe über den Blowpipestock den Sack bis zum Platzen aufblase und ihn dann eine Minute lang in den Schwitzkasten nehme, kann ich wieder ca. einen halben Atemstoß Luft dazublasen. Die Blowpipe sitzt dicht und der Zip ist eingefettet (mit dem dazugehörigen Mittel). Mehrere Leute haben geschaut, aber man findet kein offensichtliches Leck - es pfeift nirgends fühlbar raus. Der Sack verliert aber doch etwas Luft. Jetzt sagen manche das sei sehr wenig und zu tolerieren, andere raten mir den Sack auszutauschen. Beim Spielen habe ich bisher nichts bemerkt, bin aber jetzt doch ein bisschen beunruhigt. Wie spürt man undichte Stellen auf und gibt es Toleranzen, wieviel Luft ein Bag verlieren darf?
Liebe Grüße
XXX
Die Antwort, die ich dem Piper gegeben habe, entspricht dem Nachfolgenden. Ich habe es hier nur etwas ausführlicher dargestellt.
Wie dicht ist dicht?
Was hier beschrieben wird, ist ein dichter Sack. Wenn ich einen Bag aufpumpe und eine Minute heftig drücke und dann nur einen halben Atemstoss nachfüllen kann, dann ist dieser Bag ohne jeden Abstrich DICHT !
Dichter geht es in der Praxis nicht oder nur sehr selten. 100% dichte Bags haben nur die Spanier mit ihren Gaitas, die die Bags aus Gummi herstellen, oder die Böhmen, die alte Autoschläuche nehmen . Das funktioniert vielleicht im heissen Klima in Spanien oder bei einem balggeblasenen Instrument, aber in unserem Klima und mundgeblasen tritt unweigerlich Schwitzwasser in Gummi-Bags auf. In unserem Klima sind daher Lederbags oder dampfdurchlässige Bags mit Teflon-Folienabdichtung üblich.
Es ist allgemein bekannt, dass Lederbags Poren aufweissen. Diese sind bei Schafleder sehr gross, bei Rindleder deutlich kleiner und bei Elk fast nicht vorhanden. Die Poren lassen Luft entweichen und müssen daher verstopft werden. Sie lassen aber auch den Wasserdampf entweichen, bzw. führen das Kondenswasser nach aussen ab, weshalb sie nicht 100% versiegelt werden dürfen. Ein geeignetes seasoning, z.B. das Original-Angus-seasoning, erfüllt beide Anforderungen, es macht den Bag luftdicht und es lässt die Feuchtigkeit hinaus.
Einen neuen Elk-Bag, ohne seasoning, können Sie aufgeblasen auf den Tisch legen. Er wird nach 10 Minuten immer noch prall sein. Trotzdem können Sie noch einen Atemstoss nachpusten. Das hängt auch damit zusammen, dass ein Lederbag etwas elastisch ist.
Es werden verschiedene “künstliche” Bags produziert, die meistens aus einer Trägerschicht bestehen , die dem Bag Halt und Form verleiht, und aus einer “Dichtschicht” aus Goretex oder einem ähnlichen Produkt. Bekannte Beispiele sind der oben erwähnte Bannatyne-Bag (Aussenschicht : Leder) und der altbewährte Canmore-Bag (Aussenschicht : Jeans-Gewebe). Und nun überlegen Sie mal, was Goretex ist : das ist eine Teflon-Folie, die so gezogen wird, dass sie Millionen genau definierter, winzig kleiner Löcher erhält. Die Löcher sind so klein, dass die grossen Moleküle der Luft unter Druck zurückgehalten werden, während die kleineren Moleküle von Wasserdampf durchgelassen werden. Anders ausgedrückt, diese Bags können gar nicht 100% dicht sein, sonst würden sie nicht funktionieren.
Ein perfekt eingebundener neuer Canmore Bag, der prall aufgeblasen auf den Tisch gelegt wird, ist nach 10 Minuten deutlich schlaffer. Er enthält zwar immer noch viel Luft, aber keinen Druck mehr, denn Canmore Bags sind nicht elastisch. Ich habe mal zu Testzwecken einen neuen Canmore aufgeblasen und in die gefüllte Badewanne gehalten : Auf der gesamten Oberfläche des bags bildeten sich kleine Bläschen, es entwich also Luft. Beim Spielen erwies sich dieser Bag dagegen als vollkommen dicht und uneingeschränkt tauglich.
Anders ausgedrückt: ein Bag für eine GHB ist niemals 100% dicht, 98 % reichen auch.
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Ich wünsche Euch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest, ein flottes Hogmanay und ein Gutes Neues Jahr 2010 !
Mögen Eure Bags immer dicht sein,
Eure Reeds nie versagen
und stets ein gefülltes Gläschen für den Piper bereitstehen!
Reinhold Ege
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