Juni 2006

hallo Leute !,                                                                                    

man erlebt so allerhand :

Da rief mich doch kürzlich gegen Abend ein Mann an, der erklärte, er sei gerade auf dem Weg vom Bodensee nach Hause und würde mich gerne besuchen, weil seine Drones sich verstimmt hätten und er  heute noch spielen müsste. Seine Pipe wäre ein altes Familienerbstück und ich solle doch bitte etwas machen.

Na ja, eigentlich hatte ich etwas anderes vor, aber ich sagte, er solle kommen.

Da erwähnte er noch, er hätte sich das Pipen selbst beigebracht, aber nicht nach meinem Buch, das sei zu kompliziert, sondern nach dem anderen Buch, das ohne diese Trillernoten auskäme.

Mir schwante Fürchterliches !


Es tauchte dann auch ein flotter Anfangs-Vierziger auf, der einen Gitarrenkoffer aus seinem Mercedes-Geländewagen holte. Gitarrenkoffer seien praktisch, meinte er, dann müsse er nicht ständig die Pipe zum Transport zerlegen.

Die Pipe, die er auf den Tisch legte, war an den Drones sofort als Paki zu erkennen. Es sei eine echte schottische Pipe, sagte er, ein altes Familienerbstück, das er  im Internet ersteigert habe.

Alles klar!


Leider hätte die Melodiepfeife von Anfang an nicht richtig gespielt, aber ein Fachgeschäft habe ihm eine neue Melodiepfeife verkauft. Die hätte nicht in den Stutzen gepasst, weshalb er den Stutzen mit einem 20 mm Bohrer aufgebohrt habe. Dabei habe er leider ein Loch in den Ledersack gemacht. Das Fachgeschäft habe ihm darauf einen Profi-Sack mit Reissverschluss und mit einem "Blasluft-Entfeuchtungs-System" verkauft.

Da das alte "hölzerne" Rohrblatt im neuen Chanter nicht gepasst hätte, habe er noch ein modernes Kunststoffrohrblatt gekauft. Danach hätte der Chanter gut gespielt, aber die Drones liefen nicht richtig und stoppten meist schon beim Aufblasen. Das Fachgeschäft wusste Rat und verkaufte ihm einen Satz Plastik- Reeds. Die wären nicht schlecht, aber der Ton war dem Mann zu leise. Er habe sich daher noch einen Satz Omega-Drone-Reeds gekauft. Die seien besser und würden nicht ständig ausgehen. Leider hätte jetzt seine Luft nicht mehr ausgereicht, weil das Blasrohr "falsch" gebohrt gewesen sei. Das Fachgeschäft hätte ihm darauf ein neues Blasrohr verkauft, ausgestattet mit einem verstellbaren Kugelgelenk und einem richtig dichten Ventil.

In der Zwischenzeit gefiel ihm auch das Royal Stuart-Cover nicht mehr und er hatte sich ein Cover aus Bordeaux-rotem Samt mit Silber-Fransen und passender Seiden-Kordel gekauft.

Von der ursprünglichen Paki-Pipe waren also nur noch die Stocks und die Drones  übrig.

Ich versuchte die Drones zu stimmen, aber alle drei liessen sich nicht einen Millimeter verschieben und auch nicht drehen. Ich fragte ihn, ob er etwa zuviel Hanf nachgewickelt habe. Nein, sagte er. Von Hanf würde er zum ersten Mal etwas hören. Aber die Drones seien locker gewesen und wären ständig verrutscht, einmal sogar herausgefallen. Daraufhin hätte er sie einzeln sorgfältig gestimmt und dann mit Locktite fixiert, damit sie sich nicht mehr selbst verstimmen könnten. 
 


In diesem Moment machte ich einen unter diesen Umständen verzeihlichen Fehler :

ich sagte ihm, was ich von Pakis im Allgemeinen und von seiner Pipe im Besonderen halte.
 


Seine Antwort : er hätte sich gleich gedacht, dass ich keine Ahnung hätte, und er würde wieder zu seinem alten Fachgeschäft gehen, die Leute dort würden ihn verstehen und hätten bestimmt eine Lösung für sein Problem.

Sprach's, packte sein Erbstück ein und ward nie wieder gesehen.
 

Seither überlege ich, was sein Fachgeschäft ihm wohl diesmal verkaufen wird.
Vermutlich neue Drones?

mit freundlichem Gruss

reinhold ege                                                                        
Juni 2006

 

MacEges Rundbrief