April 2003
Es ist immer wieder erstaunlich. Da bittet mich doch eine an sich gute Piperin, die vor 15 Jahren bei mir gelernt hat und zwischenzeitlich selbst unterrichtet, die Drones ihrer Schülerin zu richten. Reine Routineangelegenheiten, nichts besonderes dabei. Trotzdem, es zeigt sich immer wieder, dass der Umgang mit Reeds nicht zu den Stärken aller Piper gehört.
Deshalb heute :
Steady Drones
das ist Piper-Slang und bedeutet, dass Drones sich gleich verhalten sollen.
Steady Drones sind das höchste für jeden Piper !
Beispiel 1 :
nach einigen Minuten Spielen schlägt eine Ihrer Tenor-Drones zu. Nichts Neues für Sie, denn das macht diese Drone immer. Spielt man halt mit zweien weiter. Also : keine Steady Drones!
Beispiel 2 :
nach einer Viertelstunde Spielen laufen Ihre Drones auseinander. Kein Problem, Sie stimmen nach. Auf diese Art werden Sie nie einen Piobaireachd durchstehen - aber auch das ist kein Problem, weil Sie eh keinen spielen. Nur das Publikum guckt leicht verstört - spielt der jetzt noch oder stimmt er schon wieder?
Beispiel 3 :
nach einiger Zeit fängt Ihr Chanter Reed an, bei den hohen Tönen zu krächzen oder gar zu hängen. Jetzt geben Sie einfach mehr Druck, um das Reed am Laufen zu halten, dafür stimmen dann plötzlich die Drones nicht mehr. Klarer Fall : keine Steady Drones !
Wenn Sie eine gute Pipe haben, dann gilt :
Steady Drones - sind in erster Linie ein Reed Problem.
Sie müssen Ihre Drone Reeds so einstellen, dass Sie alle drei den genau gleichen Druck erfordern und sich beim Spielen genau gleich verändern. Also auf grösstmögliche Übereinstimmung trimmen!
Und das geht so :
Spielen Sie Ihre Pipe für eine Viertelstunde, damit sie auf Betriebstemperatur kommt.
Stimmen Sie die Drones sorgfältig auf Ihren Chanter. So wie (hoffentlich) immer .
Dann entnehmen Sie den Chanter und stöpseln einen dieser Gummikorken in den Chanterstock. Blasen Sie den Bag auf und geben Sie Spieldruck - knipsen Sie die Bassdrone aus. Sie hören jetzt die beiden Tenor Drones und im Idealfall stimmen sie überein. Jetzt geben Sie langsam mehr Druck - beide Drones sollen tönen, wenn eine ausgehen sollte, müssen Sie dieses Reed härter machen. Nehmen wir mal an, beide laufen weiter und der Druck steigt. Dann ereignet sich im Normalfall folgendes : die Drones laufen auseinander, weil eine der Drones höher im Ton wird. Genau genommen werden beide etwas höher, aber eine eben deutlich mehr als die andere. Sie müssen also eine Drone länger machen, damit sie wieder gleich klingen.
Das ist die Drone, um die es geht - also die, die höher wird. Diese hat das schwächere Drone-Reed und das müssen Sie jetzt etwas härter machen.
Wie man Drone-Reeds härter macht, habe ich schon oft beschrieben .
Meiner Meinung nach ist es bei CaneReeds die beste Methode, eine neue Bridle aufzubringen und dabei die Zunge ca. 0,5 mm länger zu machen. Bei den meisten Kunststoffreeds müssen Sie die Gummi-Bridle verschieben und eventuell zum Ausgleich den Stimmzapfen etwas weiter hineindrehen. Sie müssen das ausprobieren und es geht auch nicht von jetzt auf nachher. Die alte Haar-Methode können Sie auch anwenden, sie ist unschädlich und hilft sehr oft. Wenn Sie die Zunge zuuuuu lang machen, röhrt das gute Stück wie ein kaputtes Moped. Dann eben nochmals versuchen.
Wenn beide Tenor-Drones bei steigendem Druck sich gleich verhalten, dann nennt man das “Steady Drones” - diese Drones werden beim Spielen weder stecken bleiben, noch sich bei Druckschwankungen ungleichmässig verstimmen.
Testen Sie die Bass Drone genauso und stimmen Sie sie auf die bessere Ihrer beiden Tenor Drones ab.
Das ganze kann schon ein ziemliches Gebastel werden, aber dafür werden Sie mit Steady Drones beglückt - dem Grössten, was es für Piper gibt.
enjoy your piping !
reinhold
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